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Die vedischen Schriften

sarvasya caham hrdi sannivisto mattah smrtir jnanam apohanam ca
vedais ca sarvair aham eva vedyo vedanta-krd veda-vid eva caham

"Ich weile im Herzen eines jeden, und von mir kommen Erinnerung, Wissen und Vergessen. Das Ziel aller Veden ist es, Mich zu erkennen. Wahrlich, ich bin der Verfasser des Vedanta, und ich bin der Kenner der Veden." (Bhagavad-gita 15.15)

Folgende bedeutende vedische Schriften sollen hier in Kürze vorgestellt werden:

Srimad-Bhagavatam

Nachdem Srila Vyasadeva das Vedanta-Sutra, Mahabharata u.a. vedische Schriften verfaßt hatte, fühlte er sich dennoch unzufrieden. Da besuchte ihn eines Tages sein spiritueller Lehrer Narada Muni und Vedavyasa fragte ihn, was der Grund seiner Unzufriedenheit sei. Narada erklärte ihm, daß er in seinen Schriften versäumt hätte, die Herrlichkeit Krsnas, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, und den hingebungsvollen Dienst zum Herrn ausführlich und unmißverständlich zu beschreiben. Daraufhin verfaßte Vyasadeva das Srimad-Bhagavatam - auch Bhagavat-Purana genannt - in 12 Cantos mit insgesamt 18.000 Versen.

Srimad-Bhagavatam beginnt mit den Worten:

om namo bhagavate vasudevaya
janmady asya yato 'nvayad itaratas carthesv abhijnah svarat
tene brahma hrda ya adi-kavaye muhyanti yat surayah
tejo-vari-mrdam yatha vinimayo yatra tri-sargo 'mrsa
dhamna svena sada nirasta-kuhakam satyam param dhimahi


"O Sri Krsna, Sohn Vasudevas, o alldurchdringende Persönlichkeit Gottes, ich bringe Dir meine achtungsvollen Ehrerbietungen dar. Ich meditiere über Sri Krsna, weil Er die Absolute Wahrheit, die urerste Ursache aller Ursachen, ist. Aus Ihm gehen alle manifestierten Universen hervor; Er ist es, der sie erhält, und von Ihm werden sie vernichtet. Er ist Sich direkt und indirekt aller Manifestationen bewußt, und dennoch ist Er völlig unabhängig von jeder anderen Ursache außer Sich Selbst. Er ist es, der das vedische Wissen zuerst in das Herz Brahmas, des ersterschaffenen Lebewesens, eingab. Über Ihn sind selbst die großen Weisen und Halbgötter in Illusion - ähnlich wie es eine illusorische Vorspiegelung von Wasser im Feuer oder Land auf dem Wasser gibt. Nur durch Ihn scheint die zeitweilige Manifestation der materiellen Universen, geschaffen durch die Wechselwirkung der drei Erscheinungsweisen der Natur, Wirklichkeit zu sein, obgleich sie unwirklich ist. Ich meditiere daher über Ihn, der ewig in Seinem transzendentalen Reich weilt, das für immer von der illusorischen Vorspiegelung der materiellen Welt frei ist. Er ist somit die Absolute Wahrheit."

Der nächste Vers beschreibt die Herrlichkeit des Bhagavatam und den Effekt, den aufmerksames und ergebenes Studieren des Bhagavatam hervorruft.

dharmah projjhita-kaitavo 'tra paramo nirmatsaranam satam
vedyam vastavam atra vastu sivadam tapa-trayonmulanam
srimad bhagavate maha-muni-krte kim va parair isvarah
sadyo hrdy avarudhyate 'tra krtibhih susrusubhis tat-ksanat


"In diesem Bhagavata Purana wird jede sogenannte religiöse Aktivität, die materiellen Motiven entspringt, entschieden abgelehnt, und es wird die höchste Wahrheit vermittelt, die von jenen Gottgeweihten verstanden werden kann, die im Herzen vollkommen rein sind. Die höchste Wahrheit ist die Wirklichkeit, die zum Wohle aller von der Illusion unterschieden wird. Diese Wahrheit beseitigt die dreifachen Leiden. Das herrliche Bhagavatam, das vom großen Weisen Vyasadeva verfaßt wurde, genügt allein schon, um Gotteserkenntnis zu vermitteln. Wozu braucht man also noch irgendwelche anderen Schriften? Wenn man die Botschaft des Bhagavatam aufmerksam und ergeben hört, wird durch diese Entwicklung von Wissen der Höchste Herr im Herzen offenbar."

Srimad-Bhagavatam wird als die reife Frucht am Baum des vedischen Wissens und als das fleckenlose Purana bezeichnet. Es ist die Essenz der vedischen Weisheit. Wenn man die Vedas mit einem Ozean von Milch vergleicht, ist das Bhagavatam die Sahne, die Vedavyasa herausquirlte. Vyasadeva unterrichte seinen Sohn Sukadeva im Srimad-Bhagavatam und Sukadeva Gosvami sprach das Bhagavatam in der Versammlung vieler großer Weiser zu König Pariksit Maharaja.

Maharaja Pariksit war der Nachfolger des Weltherrscher Maharaja Yudhistira. Er war ein Geweihter Krsnas und ein rajarsi, ein königlicher Weiser. Eines Tages wurde er von einem Brahmana-Knaben verflucht, nach sieben Tagen am Biß der Schlange Takshaka zu sterben. Als der König dies hörte, zog er sich an das Ufer des Ganges zurück, aß und trank nichts mehr und richtete seinen Geist auf Krsna. Viele große Weise und heilige und Persönlichkeiten, die von seiner Verfluchung gehört hatten, kamen zu ihm. Selbst Halbgötter und Weise von den himmlischen Planeten begaben sich an das Ufer des Ganges zu Maharaja Pariksit. Der König fragte die Weisen, was ein Mensch im Angesicht des Todes am besten sprechen, hören, denken und tun sollte. Da jeder jederzeit sterben kann und niemand weiß, wann ihn der Tod ereilt, geht es darum, was man überhaupt sprechen, hören, denken und tun sollte. Maharaja Pariksit wußte, daß er noch sieben Tage zu leben hat; wir wissen nicht wie lange wir noch zu leben haben. Noch bevor die Weisen antworten konnten, erschien der selbstverwirklichte Sukadeva Goswami am Schauplatz. Der König und alle versammelten Persönlichkeiten erwiesen ihm ihre Ehrerbietungen und boten ihm einen Ehrensitz an, da sie wußten oder an seinen körperlichen Merkmalen sehen konnten, daß er eine besondere Persönlichkeit war. Dann sprach Sukadeva Goswami das Bhagavatam in sieben Tagen und beantwortete die Fragen Pariksit Maharajas zum Nutzen aller Menschen.

Später sprach Suta Goswami, der einer der Anwesenden bei dem Ereignis war, das Bhagavatam in einer Versammlung von Weisen in Naimisaranya, einem heiligen Ort.

Das Srimad-Bhagavatam wird von den Gottgeweihten geliebt und verehrt als Buch-Inkarnation des Höchsten Herrn, und Sri Caitanya Mahaprabhu, der Höchste Herr selbst, der vor ca. 500 Jahren in Indien erschien und das yuga-dharma für das kali-yuga etablierte, liebte es, in der Gemeinschaft seiner Geweihten Verse aus dem Bhagavatam zu hören und zu diskutieren.